Ein Sprachtalent aus Kroatien

Sie weiß, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land neu anzufangen. Ihr Weg war manchmal holprig, aber jetzt ist sie hier und glücklich darüber, in Hohenschönhausen bei der HOWOGE zu leben. Die energische, junge Frau – eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern – hatte sich vor ihrer Abreise nach Deutschland hohe Ziele gesetzt: Ihre neue Existenz wollte sie sich aus eigener Kraft, ohne fremde Unterstützung aufbauen und das ist ihr gelungen.

Ihre Erfahrung und ihr Wissen teilt sie jetzt und stellt sich in den Dienst ihrer Nachbarn, von denen die meisten aus Serbien stammen.

In ihrem Heimatland Kroatien konnte sie sich trotz ihres Studiums der jugoslawischen Sprachen als Übersetzerin finanziell nicht über Wasser halten. So entschied sie sich vor zwei Jahren – mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache im Gepäck – für ein neues Leben in Berlin. Sie begann als Praktikantin in einer Integrationskita im Kiez. Schnell merkte sie, dass viele Eltern intuitiv den Kontakt zu einer Erzieherin suchten, die selber eine Migrationsgeschichte hat. So fand sie sich neben Fragen zur Kindererziehung auch mit vielen weiteren Themen konfrontiert: Wo kann ich einen Integrationskurs machen? Welchen Stromanbieter soll ich nehmen? Worauf sollte ich bei einem Handyvertrag achten? Wie fülle ich einen Hortantrag aus? Der Beratungsbedarf war riesig und verlangte vor allem nach jemanden, der in verschiedenen Sprachen übersetzen konnte.

Da kam es genau richtig, dass Suzana im Kieztreff Lebensnetz Gilles Duhem und Frank Bourgett vom KIEZCONTAINER kennen lernte. Die beiden hatten einen ähnlichen Bedarf bei den Kiezbewohnern festgestellt. So bekam Suzana Ladan Saratlija im Handumdrehen einen zusätzlichen Job.

Im Rahmen des Projekts „Ich kann Papier“ des KIEZCONTAINERS hat sie mittlerweile über 40 Familien aus dem Kiez geholfen. Meistens sind es Frauen aus Serbien, die mit ihren Fragen, Anträgen oder der Behördenpost zu ihr kommen. Unermüdlich übersetzt Suzana Ladan Saratlija, berät und erklärt, warum die Familien diese Briefe ernst nehmen sollen, dass Leistungen auch gekürzt werden können und warum es Sinn macht, pünktlich zu einem Termin zu erscheinen.

Vor allem ermutigt Suzana Ladan Saratlija jedoch die Frauen, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen, einen Integrationskurs zu besuchen, denn oft haben sie keinen Schulabschluss und werden in der hiesigen Arbeitswelt ohne Deutschkenntnisse kaum Fuß fassen können. Manchmal muss sie auch Dinge ins rechte Licht rücken: Sie kann nicht zaubern und dafür sorgen, dass Anträge bewilligt werden. Aber sie vermittelt ihren Besucherinnen: „Wenn ihr euch integriert, dann klappt es. Lernt Deutsch, kämpft Euch durch! Habt Vertrauen in Euch selbst! Ich helfe Euch!“ Sie selbst ist dafür schließlich das beste Beispiel.

Diese Botschaft ist mittlerweile angekommen und Suzana Ladan Saratlija hat sich im Kiez einen Namen als vertrauenswürdige Ansprechpartnerin gemacht. Ihr Einsatz trägt auch schon erste Früchte und einige Frauen lernen jetzt Deutsch im Integrationskurs. Das ist ein wichtiger Schritt, der ganze Familien voranbringt sowie Anbindung an die Gesellschaft schafft, in der sie leben.

Suzana Ladan Saratlija lebt mit ihren Kindern sehr gern im Kiez. Sie fühlt sich dort sicher und schätzt die gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Den KIEZCONTAINER sieht sie als Brücke zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern und der HOWOGE.

Okt. 2020 – Karina Holme Nielsen

Foto: Tobias Steffen / HOWOGE